Gute Wünsche für die Kultur(en) im Jahr 2019

Was wünschen Sie sich für die Schweizer Kulturlandschaft im Jahr 2019? Was kann die Kultur im neuen Jahr in Bewegung setzen?

Zum Jahreswechsel haben wir einige Studierende, Dozierende und Alumni des Studienangebotes Kulturmanagement um kurze Statements mit Blick auf das neue Jahr gebeten. Auf welche Ereignisse freuen sie sich besonders - und warum? Wo sehen sie die grössten Herausforderungen für die Schweizer Kulturlandschaft, und wie können wir diesen begegnen?

Wir bedanken und für die vielstimmigen Rückmeldungen - und wünschen für das neue Jahr alles Gute!

Eine grosse Herausforderung für unsere Kulturlandschaft ist es, mehr Kooperation zwischen den verschiedenen Sprachteilen der Schweiz zu generieren. Als Direktorin der Bieler Fototage betrachte ich die Stadt Biel als einen sehr interessanten Treffpunkt, um auch 2019 einen innovativen nationalen Austausch zu fördern.

Sarah Girard, Directrice Journées photographiques de Bienne, Absolventin des MAS in Kulturmanagement

Ein relevantes Ereignis für die Kulturpolitik der Schweiz ist für mich im Jahr 2019 die Vernehmlassung zur neuen Kulturbotschaft des Bundesrates. Ich hoffe, dass diese Vernehmlassung Anlass geben wird zu einer breit geführten Diskussion und zur Sensibilisierung von Gesellschaft und Politik für die essentielle Bedeutung von Kulturschaffen, Kulturerbe und kultureller Teilhabe – aber auch von aktiver Sprachen- und Minderheitenpolitik – für unsere Gesellschaft und für unser Land.

Rico Valär, Professor für rätoromanische Literatur und Kultur an der Universität Zürich, Dozent für Schweizer Kulturpolitik im CAS in Kulturpolitik und Kulturrecht und Absolvent des MAS in Kulturmanagement

Stellt euch vor, die „Jungen“ rennen Euch die Bude ein: mit einem Bier in der Hand und laut lachend mit ihren Lieblingsfreunden. Die Kunst an der Wand gefällt – das Fachchinesisch auf den weissen Zetteln ignorieren sie. Why not? Mutig sein, etwas anders machen, ausprobieren und vielleicht neue Konventionen für das 21. Jahrhundert erfinden. Ihr werdet überrascht sein: Die junge Zielgruppe ist interessierter als wir annehmen!

Danica Zeier, Dozentin im CAS in Innovation und Change, stv. Studienleiterin Executive Master Strategic Design ZHdK und Founder artsnext gmbh

Kultur ist kein Luxus, sondern unverzichtbare Grundnahrung. Ich wünsche der Schweizer Kulturlandschaft mehr Anerkennung und mehr langfristige Mittel. Mein Engagement gilt kulturellen Formen für alle.

Dagmar Brunner, Redaktionsleitung ProgrammZeitung, Absolventin des MAS in Kulturmanagement

Für die Kulturszene wünsche ich mir Mut und selbständiges Denken: sie muss sich - wie das ganze Land - aus einer inneren Erstarrung lösen. Die Anforderungen sind komplex und widersprüchlich. Die Forderung nach (wirtschaftlichem) Erfolg und eingängiger Unterhaltung lässt sich nicht immer mit der Forderung nach politischer und gesellschaftlicher Relevanz versöhnen. Kultur muss auch in Zukunft sperrig, widerspenstig und kontrovers sein. Es braucht in Zeiten der totalen Ökonomisierung neue Impulse. Der Begriff des Kulturmanagers ist ein Beispiel für diese Tendenz. Es braucht Denker, Visionäre und Macher - und vielleicht weniger Manager. Lasst uns über Idee und Inhalte reden und forschen.

Dominik Landwehr, Abteilungsleiter Pop und Neue Medien Migros Kulturprozent, Dozent im CAS in Digitalen Kulturen

Meine Vorfreude richtet sich 2019 auf das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Zug, das ich vor und hinter den Kulissen erleben werde. Ein faszinierendes Grossereignis an der Schnittstelle zwischen Sport und Kultur, zwischen Tradition und Moderne. Das wird ein Wegweiser für die eigene Arbeit im OK des übernächsten „Eidgenössischen“ sein, das 2022 in Pratteln im Baselbiet stattfinden wird.

Marion Tarrach, PR-Beraterin und NPO-Managerin, Dozentin im DAS in Kulturreflexivem Management

Im Kulturjahr 2019 freue ich mich ganz besonders auf das Zusammentreffen von ca. 80 theaterbegeisterten Jugendlichen aus der ganzen Schweiz im April in Basel. Das von mir im Jahr 2012 mitbegründete Vermittlungsprojekt "Die Voyeure" ist ein Angebot für 15 – 25-Jährige, die jede Woche gemeinsam die Theaterlandschaft ihrer Region erkunden und sich darüber austauschen. Das Publikum der Zukunft trifft sich mittlerweile nicht nur in Basel, sondern ebenso erfolgreich in Bern, Zürich, Luzern St.Gallen und Genf.

Nico Grüninger, Verantwortlicher Vermittlung und Publikumsangebote Kaserne Basel und Student im CAS in Innovation und Change im Kulturmanagement

Ich wünsche mir mehr Menschen, die sich auf politischer Ebene für die Kultur einsetzen. Abseits von sogenannten kulturellen Zentren macht man sich eher unbeliebt, wenn man die Unterstützung von Kultur fordert. Ich wünsche mir überall in der Schweiz Menschen, die das Potential von Kultur erkennen und für sie einstehen. Gegenwind und knappe Budgets hin oder her.




Franziska Werlen, Leiterin Sensler Museum Tafers, Absolventin des MAS in Kulturmanagement

Zu allererst hoffe ich, dass die Kultur selbst in Bewegung bleibt. Kultur zeichnet sich ja gerade durch ihre permanente Transformation aus. Eine Kulturlandschaft, die sich selbst nicht mehr verändert, läuft Gefahr, sich nach und nach das eigene Quellwasser abzugraben. Die gesellschaftlichen Entwicklungen liefern jedoch genug Diskurs- und Transformationsstoff – die Stichworte Teilhabe, Digitalisierung und die Bedrohungen durch kulturelle Uniformisierung sind nur ein Ausschnitt. Kulturschaffende, Künstler*innen und Kulturpolitiker*innen müssen folglich »nur« zugreifen: ein gestaltendes sowie vermittelndes Kulturmanagement wird hier mehr denn je benötigt.

Patrick S. Föhl, Dozent im MAS in Kulturreflexivem Management, Netzwerk für Kulturberatung, Berlin

Ich wünsche der Schweizer Kulturlandschaft mehr Raum - in den Köpfen der Gesellschaft, in unseren Terminkalendern, in den kommunalen, kantonalen und privaten Budgets und auf den Seiten des Feuilletons und in den Medien allgemein. Und ich wünsche ihr die nötige Zeit, um Projekte entwickeln zu können, die dank ihrer Relevanz diesen Raum einnehmen können.

Patricia Bieder, Kunsthistorikerin und Kuratorin, Absolventin des MAS in Kulturmanagement

Kultur in der Schweiz soll auch im Jahr 2019 frei sein. Frei von Zwängen, Ideologien und administrativen Schikanen. Denn nur so können Freidenkende frei Freiräume bespielen und Kultur zu dem machen, was sie sein soll: ein Ausdruck von Freiheit.

Carlo Clivio, Carlo Clivio Communications, Dozent im DAS in Kulturreflexivem Management und Absolvent des MAS in Kulturmanagement